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Ausgestorben: Planetenübergabe (Review)

Artist:

Ausgestorben

Ausgestorben: Planetenübergabe
Album:

Planetenübergabe

Medium: DVD/Download/LP+DL-Code
Stil:

Deutscher Punkrock

Label: Major Label/Hanseplatte
Spieldauer: 39:03
Erschienen: 27.02.2026
Website: [Link]

Hier kommen ein paar Deutsch- und Post-Punk-Dinosaurier, denn schließlich sind die Dinos schon AUSGESTORBEN. Nicht AUSGESTORBEN sind allerdings AUSGESTORBEN. Sondern völlig neu – gerade erst geboren...
...und „Planetenübergabe“ ist das Debüt-Album der Band um Sänger und Texter Jens Rachut. Und gerade der steht auf mehr als abgefahrene Bandnamen, da er beispielsweise zuvor seit den 70er-Jahren Bands wie FICKFEHLER oder ANGESCHISSEN und DACKELBLUT sowie BLUMEN AM ARSCH DER HÖLLE beglückte.
Tief bohren AUSGESTORBEN daher auch dieses Mal mit ihren knochigen Skelett-Fingern in den Wunden, welche dieses Land und diese Zeit schlägt.
Sterben wir dabei aus?
Fragen wir doch einfach mal AUSGESTORBEN!

Nunmehr also sucht das deutschrockige Punk-Quintett musikalisch wie textlich nach einem anderen Planeten, um die „Planetenübergabe“ vollziehen zu können: „Roter Teppich voll mit Würmern / Das war unsere letzte Schicht“.
Klingt nicht optimistisch, diese „Planetenübergabe“, aber macht ziemlich neugierig.
Denn wie konnte es nur so weit kommen, dass unsere 'Roten Teppiche' nunmehr nur noch von irgendwelchen Würmern bevölkert werden? Wurden die etwa im Dschungel-Camp ausgelegt, damit man dort den ofarimschen Oberwurm krönen kann, der in all seiner Verlogenheit bestens zu unserem deutsch-bekackten Politiker-Establishment passt?
Oder schleichen die sich ohne Pass, aber mit schlechten Absichten ein, um einer Made ähnlich, sich erst an dem Wirt vollzufressen, um diesen dann von innen heraus zu zerstören?
Fragen über Fragen – auf die zwar AUSGESTORBEN keine Antworten, dafür aber klare Kante zu bieten haben.


Voller Energie und brutaler Haudrauf-Manier gehen AUSGESTORBEN zur musikalische Sache. Hierbei werden auch textlich keine Gefangenen gemacht: „das Parlament will seine Rede / man will das Volk überrumpeln / viel Versprechen und keine Steuern / doch bezahlen tun wir doppelt / und verarschen können wir uns alleine“ („Protestsong“) Eine bessere musikalische Aussage zur Lage der deutschen Nation kann man wirklich nicht verfassen.

Schon der, nicht etwa einschläfernde, Album-Opener hat es in sich und weckt tatsächlich 80er-Jahre-Erinnerungen. CODO „Ich bin der Hass“ klingt bei „Müde“ durch – und damit gibt’s bei AUSGESTORBEN auch so einige Abgefahrenheit der ehemaligen Neuen Deutschen Welle in ihrer ganzen TRIO- oder GRAUZONE-Mentalität mitzuerleben: „Müde wie ein Denkmal / das voll mit Kacke von den Möwen / rücksichtslos ohne zu fragen / versucht zu schlafen / ein Denkmal, das fast durchdreht / vor Entkräftung und der Kacke“.

So neu also AUSGESTORBEN als Band auch sein mögen, Jens Rachut und seine Mitstreiter werfen viele Erfahrungen der eigenen Vergangenheit in ihre musikalische Waagschale. Hier gibt’s die deutsche Subkultur pur – sogar Mitglieder (der zweite Gitarrist) von DIE GOLDENEN ZITRONEN wirken bei AUSGESTORBEN mit. Und wer besagte Band schon damals – also Mitte der 80er-Jahre mochten, die werden garantiert auch AUSGESTORBEN mögen. Wer jedoch mit deutschem Punk oder druckvollem, ziemlich einseitigem Postpunk mit 80er-Orientierung, inklusive schrägen Gitarren-Soli („Tamar hat kein Geld mehr“), nichts anfangen kann, der wird beim Hören des Albums genauso blöde wie das Gerippe mit dem gebrochenen Bein auf dem Album-Cover dreingucken, egal ob der die AUA-Seite (LP-Seite 1) oder die AUS-Seite (logischerweise LP-Seite 2) wählt.

Dem Deutschpunk-Skeptiker entgeht allerdings neben den eigenartigen Texten, bei denen man genauer hinhören und mitdenken sollte, auch eine richtig gut produzierte Scheibe voller spannender Stereo-Effekte. Ein Qualitätsmerkmal, um das sich Punk-Bands eigentlich nur selten sonderlich verdient machten. AUSGESTORBEN jedenfalls lassen diesbezüglich nichts anbrennen. Echt lobenswert. Denn so laut deren Punk auch sein mag – er ist klar, direkt und verständlich in richtig gutem Sound abgemischt.

Der Deutsch-Punk lebt – besonders durch AUSGESTORBEN!
Wie lange noch?
Wer weiß!?


FAZIT: Die 'neue' Band voller alter Punk-Säcke AUSGESTORBEN versuchen mit ihrer jahrzehntelangen Musiker-Erfahrung den Beweis zu erbringen, dass gerade die Subkultur des Deutsch-Punk mit brachialer Post-Punk-Schlagseite und provokanten Texten eben längst nicht AUSGESTORBEN ist. „Planetenübergabe“ ist hierfür der erste punkige Musik-Ballon, den sie noch dazu richtig gut produziert auf alle, bei denen der Punk noch unter den Klamotten und in den Ohren für Aufregung sorgt, auf die langsam aussterbenden Musikfreunde loslassen und sich dabei am Ende selber als 'Olle Punk-Ratten aus Hamburg' zu erkennen geben. Wem das Vinyl nicht reicht, der bekommt außerdem auch gleich noch einen MP3-Downloadlink mit dazu, inklusive eines Textblattes und einen kleinen Katalog aus dem Label-Hause, das noch einige weitere Punk-Entdeckungen aus Deutschland zu bieten hat.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 53x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A = AUA = (17:30):
  • Müde
  • Kerosin
  • Daddelige Fucker
  • Johan Cruyff
  • Sehnsucht nach Unbekanntem
  • Protest Song
  • Seite B = AUS = (21:33):
  • Beschwerde
  • Affen bügeln
  • Hammerhaikinder
  • Tamer hat kein Geld mehr
  • Oh nein, Atli
  • Planetenübergabe

Besetzung:

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Interviews:
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