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Maika: Senza Padrone Baby (Review)

Artist:

Maika

Maika: Senza Padrone Baby
Album:

Senza Padrone Baby

Medium: Download
Stil:

Singer/Songwriter, E-Pop, New Wave, EDM, R'n'B

Label: Papercup Records
Spieldauer: 20:04
Erschienen: 08.05.2026
Website: [Link]

Ursprünglich kommt die zur Zeit in Köln lebende Musikerin MAIKA (KÜSTER) vom Jazz. Ihr für den Deutschen Jazzpreis nominiertes Debüt-Album „Holy Noon“ erschien 2024 auf dem Label Jazzhouse Records und war in musikalischer Hinsicht auch noch sehr dem ursprünglichen Jazz-Metier zugewandt, gleichwohl sich MAIKA schon damals musikalisch wandlungsfähig zeigte, mit Elektronik, Beats und R’n’B-Elementen flirtete, gelegentlich auf Deutsch sang und sich auch gesanglich keineswegs auf Genre-typische Manierismen beschränkte.


Offensichtlich reichte es MAIKA aber nicht, als neue Jazz-Hoffnung gelabelt und gepriesen zu werden, mit der WDR Big Band durch die Lande zu ziehen, und auf Jazztagen zu spielen. Für ihr neues Projekt erweiterte sie ihr Sounddesign nämlich erheblich und radikal in eine ganz andere Richtung. Die nun vorliegende EP „Senza Padrone Baby“ ist dabei der erste Teil einer geplanten Trilogie, mit der sich MAIKA als eigenständige Künstlerin neu positionieren möchte.

Um's schonmal vorweg zu nehmen: Das ist ihr mit „Senza Padrone Baby“ zweifelsohne gelungen, denn die Welt des Jazz ließ sie weitestgehend hinter sich und transponierte ihr musikalisches Konzept forsch in eine Art musikalischer Wundertüte mit charmanten Referenzen an den New-Wave-Sound der 80er, Industrial, 90‘s-Club-Ästhetik, Funk, E-Pop und – nun ja – Italo Pop.


Zumindest der teilweise auf italienisch vorgetragene Titeltrack „Senza Padroni Baby“ flirtet hierbei mit einer schwülstig/souligen Italo-Romantik – die mit polternden 80‘s-Beats und flirrenden Synthies markiert wird. Mit der auf italienisch vorgetragenen Zeile: „Wir erheben uns aus der Asche – die Rebellen ohne Meister“, klagt MAIKA das Patriarchat an – was ihr als FLINTA-Aktivistin wohl ein besonderes Anliegen ist und sich ohnehin in dem Titel der EP widerspiegelt. Hier reicht bereits die Einzahl „Padrone“ aus. MAIKA braucht eben keinen Meister zum Glücklichsein.


Auch andere Songs wie „Levitate“ beschäftigen sich mit dem Thema des linkspolitischen Empowerment, das MAIKA am Herzen liegt. War es auf dem Debüt-Album noch Rosa Luxemburg, die es der Künstlerin als notwendige Referenz angetan hatte, ist es in dem Song „Michek’s House Party“ nun Karl Marx, aus dessen 'Kommunistischem Manifest' MAIKA rezitiert. Kurzum: Die proletarische Revolution ist auch auf dieser EP allgegenwärtig – und weiblich. Dem Titel „Imposter-Syndrom“ – mit dem die Musikerin Zweifel an den eigenen Fähigkeiten andeutet – muss daher eine ironische Doppeldeutigkeit attestiert werden.


MAIKA besitzt aufgrund ihrer Jazz-Ausbildung ein feines Gespür für gesangliche Feinheiten: In Sachen Timbre, Diktion, Phrasierung und Kontrolle macht ihr so schnell niemand etwas vor, selbst wenn es diesmal eher 'nur' um Pop-Musik im weitesten Sinne geht und sie auch gewillt ist, mit Sprechgesang, Effekten und Manierismen zu experimentieren, was das Zeug hält. Auch hier gilt für sie die experimentelle Abkehr von der reinen Lehre.


Die ganze EP ist nur etwa 20 Minuten lang – die dann aber mit jeder Menge an musikalischen Ideen vollgepackt sind, die den neu gefundenen Musikkosmos bis in die Ecken ausleuchten. Das geschieht mal im Pop-Song-Format („Levitate“, „Hello“, „Senza Padroni Baby“ oder mit der einzigen balladesken Nummer „Walk With You“) und mal eher experimentell, abstrakt und hörspielartig wie im Fall des Openers „Michek’s House Party“ oder dem bereits angesprochenen „Imposter Syndrom“.

Hier arbeitet MAIKA dann eher mit Sprechgesang und stolpernden Rhythmen, vertrackten Strukturen und komplexen Arrangements. Damit greift sie auf ihre Erfahrungen mit Theaterproduktionen zurück.
Das abschließende Instrumental „Funky Mmmmh“ ist hingegen eher eine parodistische Fingerübung, die allerdings am weitesten von der ursprünglichen Jazz-Affinität der Künstlerin abweicht und sogar als Fingerzeig für eine mögliche musikalische Weiterentwicklung interpretiert werden könnte. Wir werden sehen.


FAZIT: Mit der EP „Senza Padrone Baby“ stellt sich die Kölner Musikerin MAIKA konzeptionell und musikalisch neu auf und bietet einen spannenden Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen auf weitestgehend elektronischer Basis. Da das EP-Projekt indes als Trilogie angekündigt wurde, ist jetzt schon die Neugier auf die nächsten beiden Teile geweckt – die gegebenenfalls wieder ganz anders aussehen und klingen könnten.

PS: Noch eine kleine Anmerkung: Es gibt mehrere Musiker, die unter dem Moniker MAIKA agieren. Im Web findet man MAIKA über ihren Familiennamen „Küster“, den Zusatz „Cologne“ oder „Köln“ bzw. über den Insta-Tag „@maikakue“.

Ullrich Maurer (Info) (Review 60x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Michek's House Party
  • Levitate
  • Hello
  • Walk With You
  • Senza Padroni Baby
  • Imposter Syndrom
  • Funky Mmmh

Besetzung:

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Interviews:
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